Clint Smith am Gleis 69


Im Oktober 2021 besuchte Clint Smith zusammen mit Hetty Berg, der Direktorin des Jüdischen Museums, den Gedenkort Güterbahnhof Moabit. Er interessierte sich bei seiner Reise durch Europa für die Kultur des Erinnerns, über die er besonders für Deutschland nur Gutes gehört hatte. Umso mehr war er dann erstaunt, als er von der Geschichte der Deportationsrampe am Gleis 69 erfuhr.


Im Tagesspiegel war jetzt am 12.12.2022 ein Gespräch mit ihm zu lesen. Dort verglich der Autor, der Beiträge in “The Atlantic” veröffentlicht und gerade sein neuestes Buch “Was wir uns erzählen” veröffentlicht hat, miteinander den Stand der Erinnerung an die NS-Herrschaft hier und den an die Sklaverei in den USA . In den Vereinigten Staaten wird amerikanische Geschichte überwiegend als die der weißen Mehrheit erzählt. Darin kommen die Afroamerikaner und die indigenen Völker Nordamerika nicht vor. Das erste Nationalmuseum für afroamerikanische Geschichte und Kultur wurde 2016 in Washington D.C. eröffnet. Ein Museum, dass die 250jährigen Geschichte der Sklaverei in den USA beschreibt, sucht man auch heute noch vergeblich. Die jüngsten rassistischen Übergriffe der amerikanischen Polizei und die als Folge entstandene Bewegung Black-Lives-Matter haben dafür den Blick geschärft. Eine wichtige Erfahrung hat Smith aber von seiner Reise durch Europa mitgenommen. Dass so unterschiedliche aber gleichzeitig erfolgreiche Projekte wie die Stolpersteine oder das Denkmal für die ermordeten Juden Europas ihren Anfang in Initiativen Einzelner oder zivilgesellschaftlicher Gruppen genommen haben.
So schrieb er in einem ausführlichen Essay unter der Überschrift MONUMENTS TO THE UNTHINKABLE Dezember 2022 in Atlantic:

I was reminded, too, that many of Germany’s most powerful memorials did not begin as state-sanctioned projects, but emerged—and are still emerging—from ordinary people outside the government who pushed the country to be honest about its past. Sometimes that means putting down Stolpersteine. Sometimes that means standing on the street for years collecting signatures for the massive memorial to murdered Jews that you believe the country needs. Americans do not have to, and should not, wait for the government to find its conscience. Ordinary people are the conscience.

Vielleicht hat er dabei auch an unser Gespräch am Gleis 69 gedacht.
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