Aktion Reinhardt – noch wenig bekannt

Gedenkort für das Vernichtungslager Treblinka. BSW

Im Tagesspiegel vom 16. März 2022 erinnert Barbara Behrendt in einem längeren Beitrag an den Beginn der Aktion Reinhardt vor achtzig Jahren, der weitgehenden Ermordung polnischer Juden, die sich damals in der Gewalt der Nazis befanden. Sie beschreibt die drei Täterorte, die Vernichtungslager Bełzec, Treblinka und Sobibor. Dort wurden bis Oktober 1943 mindestens 1,8 Millionen Menschen , überwiegend Juden und Jüdinnen ermordet. Die Spuren dieser Morde wurden dann später weitgehend verwischt. Dieser Komplex ist insgesamt wenig bekannt, die genannten Orte liegen fernab größerer Städte und werden deshalb eher selten besucht.
Durch die veränderte Geschichtsauffassung der PiS, die die augenblickliche polnische Regierung stellt, sind diese Orte aber wieder in den Mittelpunkt der Diskussion polnischer Historiker geraten. Dabei werden die Opferrollen von Juden und Polen gegeneinander abgewogen, aber auch der Umfang polnischer Hilfe für die Juden bzw. der Kollaboration der Polen bei der Verfolgung der Juden.
Gleichzeitig registrieren die Leiter der genannten Gedenkorte nur eine geringe Bereitschaft staatlicher deutscher Stellen, sich finanziell am Ausbau dieser Gedenkorte zu beteiligen – ohne dass dafür ein offizieller Antrag von polnischer Seite vorliegt. Auch der Bildungsaustausch mit deutschen Besuchern findet vorrangig durch das besondere Engagement zivilgesellschaftlicher Gruppen statt. Da besteht noch ein großer Nachholbedarf und eine Verpflichtung gegenüber Minderheiten wie Sinti und Roma und den jüdischen Gemeinden.
art-