Müllentsorgung auf der Deportationsrampe

Seit einigen Wochen finden auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes Moabit umfangreiche Erdarbeiten statt. Dort soll auf dem Flurstück 275 / Quitzowstr. 27 kontaminierter Boden beseitigt werden. Dort befindet sich auch die denkmalgeschützte Deportationsrampe am Gleis 69. Vor Beginn dieser Arbeiten hatten wir den Grundstückseigener CA Immo um Berücksichtigung des Denkmalschutzes gebeten. In der Antwort sicherte uns CA Immo das zu und darüber hinaus einen sensiblen Umgang mit dem durch die Deportation der Berliner Jüdinnen und Juden belasteten Ort.

Müllcontainer und schweres Gerät auf der Deportationsrampe am Gleis 69 am 2.Juni 2022. TAL

Stattdessen konfrontiert uns jetzt die Realität mit dem Gegenteil. Mit schwerem Gerät arbeitet man auf dem ungeschützten südlichen Teil der Deportationsrampe. Und auf dem abgedeckten, nördlichen Teil der Deportationsrampe stehen Container, mit denen der kontaminierter Boden entsorgt werden soll. Makaber. 1942 haben dort Berliner Jüdinnen und Juden gestanden, um in die Züge nach Osten, in den Tod gezwungen zu werden. Dieses Bild lässt sich nicht auslöschen.

Es ist deutlich zu sehen, wie schweres Gerät auf den Platten der denkmalgeschützten Deportationsrampe des Gleis 69 steht. TAL
Die Müllcontainer auf der denkmalgeschützten Deportationsrampe des Gleis 69. 02.06.2022 TAL

In diesen Tagen werden amerikanische Lehrerinnen und Lehrer, die von der Obermayer-Stiftung in Holocaust Studies ausgebildet werden, Schülerinnen und Schüler der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule besuchen. In der Schule, die direkt gegenüber dem Gedenkort Güterbahnhof Moabit liegt, wollen sie sich über Erinnerungsarbeit in Deutschland informieren. Offenbar ist das der richtige Ort.
Wir hoffen noch darauf, dass die mit dem Denkmalschutz befassten Institutionen umgehend Abhilfe schaffen.
art-

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