Kahal Adass Jisroel – in der Nachfolge von E.Hildesheimer

Die restaurierte Front der Hofsynagoge in der Brunnenstraße, Berlin Mitte. TAL

Am 11.12.2025 lud Kahal Adass Jisroel (KAJ) zu einer Konferenz unter dem Motto „Berlin – ein jüdisches Zuhause“ .

Gedenktafel an der ehemaligen Hofsynagoge Beth Zion. TAL

Mit KAJ in der Hofsynagoge von ehemals Beth Zion in der Brunnenstraße ist neben Chabad Lubawitsch eine der lebendigsten Gemeinden in Berlin entstanden. In der Tradition der neo-orthodoxen Austrittsgemeinde von 1869 gehört sie nicht zur Berliner Einheitsgemeinde. 2013 gegründet wächst sie zunehmend mit der Unterstützung des Skoblo Synagogue and Education Center und der Ronald S. Lauder Foundation und erreicht bald eine Mitgliederzahl von sechshundert.

Plakette im Inneren der Synagoge. TAL

Nach eigenem Bekunden beschreibt sich die Gemeinde als traditionell ausgerichtet. Beim täglich stattfindenden Morgengebet versammeln sich regelmäßig ausreichend Gläubige, um den Minjan zu bilden. Das Durchschnittsalter liegt dabei geschätzt um 40 Jahre. Die Gemeinde ist auch in der orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschlands und im Zentralrat der Juden in Deutschland vertreten. Zu der namensgleichen Gemeinde in der Tucholskistraße gibt es keine Verbindung.

Das Innere der Hofsynagoge Beth Zion, die jetzt von Kahal Adass Jisroel genutzt wird. TAL

Vor der Konferenz gibt es die Möglichkeit neben dem Morgengebet auch an einer Führung teilzunehmen. Dabei erfahren die Gäste, dass das Innere der Synagoge 2005 wieder nach dem alten Vorbild der Hofsynagoge Beth Zion gestaltet worden ist. Unmittelbar um die Synagoge ordnen sich ein Kindergarten, ein Rabbinerseminar in der Hildesheimerschen Tradition und eine Jeschiwa an. Eine Grundschule befindet sich unweit in der Rykestraße. Auf dem Nachbargrundstück in der Brunnenstraße plant die Ronald S. Lauder Foundation demnächst eine Oberschule zu errichten.

Anschließend findet die Konferenz in den Räumen der Humboldt-Universität statt. Dabei schlagen die Vortragenden einen weiten Bogen vom Hildesheimerschen Rabbinerseminar in der Artilleriestraße, über die Familie Hirsch aus Halberstadt, dem Münchener Rabbiner Pinchas P. Biberfeld, Sohn von Eduard C. Biberfeld, zu den Frauen in der orthodoxen Gemeinde, der jüdischen Schule, dem Militärrabbinat bis zu OLAMI Germany. Das ist eine weltumspannende Organisation, die sich für die Vertiefung von religiösem und kulturellem Wissen im Judentum einsetzt. Damit stellt sie auch die Verbindung zwischen den zahlreichen kleinen Gemeinden der Diaspora her und bringt Menschen zusammen. Den herkömmlichen Schadchen gibt es ja nicht mehr . . .

Den Abschluss bilden ein Film über das Gemeindeleben von KAJ, ein Beitrag des CEO der europäischen Rabbinerkonferenz zur weltpolitischen Lage des Judentum und ein Expertenpanel zur Zukunft der Juden in Deutschland. Insgesamt war es eine gute Gelegenheit, einen Blick in diese dynamische jüdische Gemeinschaft zu werfen. Danke dafür.
red-