Die Kreise schließen sich.

Liesbeth und Salo Drucker, 1928. LydiaTichauer, o.A.

Am Gesundheitsamt Wedding war die Gedenktafel für Salo Drucker Jahrzehnte lang ein vertrautes Bild. Als plötzlich der Abriss des Gebäudes bevorstand, galt es zumindest, die Tafel in Obhut zu nehmen. Lange stand sie dann bei der Historischen Gesellschaft zu Berlin zur Aufbewahrung, bis es in der Reinickendorfer Straße Neubaupläne für das Grundstück gab. Ein Anlass, genauer zu Salo Druckers beruflichem Leben zu recherchieren. Er hatte 1922 vom Jüdischen Krankenhaus aus begonnen, das Gesundheitsamt im Wedding aufzubauen. Damit stand der neue Ort für die Gedenktafel fest, und wir konnten in der Iranischen Straße im September 2024 die Zweitenthüllung der Tafel erleben.

Zweitenthüllung von Salo Druckers Gedenktafel am Jüdischen Krankenhaus. 18.09.2024. TAL
Die Gedenktafel am Jüdischen Krankenhaus Berlin 2024. TAL

In diesem Zusammenhang besuchte ich den jüdischen Friedhof in Weißensee. Salo Druckers Urnengrab war trotz Plan nicht leicht zu finden.

Das Urnenfeld III auf dem Friedhof Weißensee. TAL

Der Stein war völlig vermoost, die darunter liegende Inschrift erst beim zweiten Besuch nach einer sorgfältigen Reinigung erahnbar. Für den Unkundigen eigentlich nicht zu entziffern. Ein namenloses Grab ist schwer auszuhalten. Deshalb entschlossen wir uns, eine Metallplakette mit Salo Druckers Lebensdaten dort anbringen zu lassen. Die Spenden von zwei ärztlichen Berufsverbänden machten es möglich.

Salo Druckers Grabstein 2024. TAL

Ein Zufall führte Lydia Tichauer aus London auf unsere Website. Dort fand sie den Beitrag zu Salo Drucker aus Anlass der Zweitenthüllung, den Dr. Susanne Doetz damals bei dieser Veranstaltung gehalten hatte. So erfuhr sie von unseren Plänen und entschloss sich, zu der geplanten Gedenkzeremonie nach Berlin zu kommen. Frau Tichauer ist die Großnichte von Salo Drucker.

Im Frühjahr 2026 brachte der Steinmetz schließlich die Plakette auf Salo Druckers Grabstein an, sodass wir mit Lydia Tichauer einen Termin verabreden konnten. Da in derselben Zeit eine Stolpersteinverlegung für Dr. Ernst Michaelis, einem anderen Onkel von Frau Tichauer, in Babelsberg geplant war, legten wir beide Termine auf das jetzige Wochenende.

Lydia Tichauer und ihr Partner David bei der Betrachtung von Salo Druckers Grabstein. 19.04.2026. dz
Bei der Gedenkzeremonie am 19.04.2026. TAL

So konnten wir heute mit einer Gruppe interessierter Menschen die neue Plakette auf dem Friedhof in Weißensee in Augenschein nehmen.

Begrüßung durch Dr.Thomas Abel. dz

Nach einer Begrüßung durch Thomas Abel von Gleis 69 e.V. schilderte Lydia Tichauer Salo Druckers Leben und die Zusammenhänge Ihrer Familiengeschichte, die sie weiterhin täglich begleiten.

Lydia Tichauer bei ihrem Vortrag. dz

Danach sprach Rabbiner Walther Rothschild das Kaddisch, und zum Schluss legten die Gäste Steine auf den Grabstein.

Rabbiner Dr. Walther Rothschild beim Kaddisch. TAL
Salo Druckers Grabstein mit Plakette. dz

Anschließend nutzen die meisten die Gelegenheit, in einem nahegelegenen Restaurant miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu erfahren.
Wir haben uns gefreut, dass sich alle durch diese Zeremonie haben anrühren lassen und angeregt den Heimweg antraten. Der dieser Tage dringend notwendige Regen setzte dankenswerterweise erst ein, als wir uns schon auf dem Weg ins Restaurant befanden.
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Die Ansprache von Lydia Tichauer am 19.04.2026 in Weißensee:

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