Das Grab von der Familie Fisch und Jan Janton

Das Grabmal im Wald von Wola Brzostecka / Podkarpacien

Wir waren auf der Suche nach dem Grab von Familie Fisch und Jan Janton. Ein glücklicher Umstand ließ uns im Haus von Jan Zieba nachfragen. Der 93jährige hat sein ganzes Leben in Wola Brzostecka / Podkarpacien verbracht, auf eigenem Hof gewirtschaftet und eine Familie gegründet. Als Jugendlicher hat er aufmerksam die Ereignisse der deutschem Besatzung in Polen und die Judenverfolgung beobachtet. Und er berichtet noch heute genau von den damaligen Geschehnissen.

Jan Zieba aus Wola Brzostecka / Podkarpacien

Die Familie Fisch hat er persönlich gekannt und ihren Helfer Jan Janton, der sie versteckt und mit Lebensmitteln versorgt hat. Der Vater der Familie, Majer Fisch, hatte eine Meierei in Wola Brzostecka gegründet und sammelte die Milch von den umliegenden Bauern ein, anfangs mit einem Hundekarren. Später konnte er die Milch mit einem Pferdefuhrwerk auch aus Januszkowice von dem dortigen Gut abholen. So kam die Familie zu einem gewissen Wohlstand.

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht und den beginnenden Judenverfolgungen versteckte der Bauer Jan Janton die Familie Fisch auf seinem Hof. Aus Angst vor Entdeckung grub sich die Familie schließlich in einer Waldschlucht einen Unterstand und harrte dort viele Monate aus. Jan Janton brachte ihnen regelmäßig das Essen dorthin. Ein Denunziant, Herr K. aus Januszkowice, verriet schließlich die Familie und ihren Helfer an die Gestapo. Die drang am 8. Dezember 1942 in den Wald ein und ermordete die Menschen in ihrem Versteck mit einer Handgranate und MG-Schüssen. Dorfbewohner fanden später die Ermordeten und begruben sie nicht weit von ihrem Unterstand.

2012 wurde ein Grabstein an dem Grab errichtet und am 11. September in Anwesendheit von Nachkommen der Familien Fisch und Janton, des Probstes von Brzostek, Jan Cebulka, des Landesrabbiners Michael Schudrich, Vertretern der örtlichen Verwaltung und der Woiwodschaft, Mitglieder von “Gerechten unter den Völkern” und “Kindern des Holokaust”, sowie anderer Honoratioren und der Bevölkerung von Wola Brostecka feierlich enthüllt. Die Inschrift auf dem Stein erinnert an
Jan Janton, 31 Jahre, und
Sara Hena Fisch, 62 Jahre,
Ruchla, 41 jahre,
Estera, 8 Jahre;
Feiga, 37 Jahre,
Rozja, 35 Jahre,
Mojzesz, 33 Jahre.


Ohne die Hilfe von Jan Zieba hätten wir den Gedenkort im Wald nie gefunden. Von der kaum befahrenen Nebenstaße biegt ein unbefestigter Weg Richtung Süden zum Wald ab, windet sich, bis er in einen Forstweg übergeht und schließlich von einer Schranke gesperrt wird. Nur mit einem besonderen Schlüssel läßt sich diese Schranke öffnen. Auf den Hinweis von Jan Zieba halten wir an einer kaum erkennbaren Schneise, die endlich zu dem Gedenkort führt. Dort stehen Grablichter, auf dem Grabstein liegen Steine, das Grab wird offensichtlich regelmäßig gepflegt.


Für Außenstehende ist es aber nicht möglich, diesen Gedenkort zu finden. Kein Wegweiser, keine Markierung helfen ihnen dabei.
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