
Kielce steht in der Geschichte der unmittalbaren Nachkriegszeit oft als Synonym für die tief prägende Erfahrung der polnischen Juden – nach der Rückkehr aus dem Exil in Polen nicht mehr ihre Heimat vorzufinden. Schon bei der Rückreise aus der UdSSR machten sie oft die Erfahrung, abgelehnt und angegriffen zu werden.

Am 4.Juli 1946 entwickelte sich schließlich in Kielce, ausgelöst durch den erfundenen Bericht eines Kindes, ein Pogrom, bei dem mehr als vierzig Menschen umgebracht und viele verletzt wurden.

Diese Tat, so unverständlich sie damals war, muss im Zusammenhang mit dem zunehmenden Antisemitismus im Vorkriegspolen betrachtet werden. Damals wurde immer lauter die „Jüdische Frage“ aufgeworfen. Diese Entwicklung setzte sich in der vielfältig auftauchenden Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht und der nachfolgenden Aneignung von jüdischem Besitz fort.

Nachdem auch in anderen Orten Polens Pogrome aufgetreten waren, setzte bei den jüdischen Rückkehrern eine breite Ausreisewelle ein, die bis in die allierten Lager für Displaced Persons in Deutschland spürbar wurde.
Erst nach 2000 kam es zu umfassenden Untersuchungen der Vorkommnisse. Vorher kursierende Theorien von kommunistischen Provokationen ließen sich dabei nicht belegen. Mittlerweile hat eine zivilgesellschaftliche Initiative das Geschehens am historischen Ort im Haus Planty 7 umfassend dokumentiert. Erst 2006 erkannte Staatspräsident Lech Kaczyński das Verbrechen als Schande für Polen an.
Bei der Wanderung durch Kielce gelangt der fremde Besucher am Rand der Altstadt auch an das Flüßchen Silnica. Beidseits sind seine Ufer mit angenehmen Fuß- und Radwegen gestaltet worden. Zahlreiche Restaurants laden zum Verweilen ein. Folgt man dem Weg weiter, steht man unerwartet für einem herausgehobenem Haus, statt Fenster blicken einen überlebensgroße Abbildungen von Menschen an.

Eine Gedenktafel berichtet vom Geschehen am 4. Juli 1946, dem bekannten Pogrom in Kielce. In einer Ausstellung sind Fotos vom Geschehen zusammengestellt und wird in einem Protokoll vom Ablauf berichtet. Filme halten die Aussagen von Überlebenden fest. Diese Bilder begleiten einen noch lange nach dem Besuch.

Auf dem jüdischen Friedhof liegen ermordete Juden in Massengräbern, aus der Zeit der Deutschen Besatzung und nach dem Pogrom von 1946.

Auffällig ist das Grab für die 45 Kinder, die im Mai 1943 von einer deutschen Polizeieinheit bei der Liquidierung des Ghetto erschossen wurden.

Der verwüstete Friedhof wurde 1987 von der Stiftung der Familie Nissenbaum soweit möglich restauriert.

Im Stadtbild ist die große Synagoge unübersehbar. Vor 1939 diente sie den 24 000 Juden Kielces als Gotteshaus. Mittlerweile wurde sie restauriert und zeitweise für kommunale Zwecke genutzt. Jetzt steht sie aber seit längerem leer.

Eine jüdische Gemeinde in Kielce gibt es nicht mehr.
red-
