Hetty Berg stellt sich vor

Nachdem die Vorstellung von Hetty Berg als neuer Direktorin des Jüdischen Museum in Berlin pandemiebedingt mehrfach verschoben werden musste, konnte sie sich jetzt am 10. August 2021 im Centrum Judaicum am Jüdischen Museum Interessierten vorstellen..
Frau Berg berichtete über ihre langjährige Tätigkeit für unterschiedliche Projekte im Jüdischen Historischen Museum Amsterdam. Zuletzt hatte sie die Projektleitung für die Neugestaltung der Dauerausstellung des 1987 eröffneten Museums übernommen. In diesem Zusammenhang reiste sie 2002 mit KollegInnen nach Berlin, im im hiesigen Jüdischen Museum Anregungen zu erhalten. Ihr Projekt umfasste auch die Einrichtung eines Kinos und bezog als weiteren Schwerpunkt den Bereich der Oral History mit ein. Dafür wurden viele Interviews zu jüdischem Leben nach 1945 geführt. Frau Berg beschrieb die Erfahrungen der Interviews mit ihren persönlichen Schilderungen als sehr eindrucksvoll.
Nach ihrer Berufung im November 2019 nach Berlin hat sie die Stelle am 1. April 2020 angetreten. Wegen der Pandemie kam sie erst einmal in ein weitgehend leeres Haus und konnte sich aber nach und nach mit ihrer neuen Arbeitssituation vertraut machen. Die Position der Programmdirektion hat sie unbesetzt gelassen und sich selbst in diese Arbeit eingebunden. Vor ihrem Antritt verzeichnete das Museum ca. 800 000 Besucher jährlich, davon die Hälfte ausländische Gäste mit einem großen Anteil an jungen Menschen. Diese Zahlen möchte Frau Berg auch wieder erreichen, aber ebenso das Berliner Publikum zu einem zweiten und dritten Besuch motivieren. So hat sie sich sehr gefreut, als jetzt im Frühling 2021 wieder größere Veranstaltung im Museumsgarten möglich wurden.
Die Veranstaltungen des Museums sollen dabei verschiedene Meinungen zu Worte kommen lassen und und auch Empathie für die angesprochenen Themen wecken. Frau Berg war bei ihrem Antritt 2019 vom Umfang des Hauses zusammen mit der W.Michael Blumenthal-Akademie beeindruckt. Deren Leitungsposition soll demnächst ausgeschrieben werden. Jetzt ist noch ANOAH – die Kinderwelt dazugekommen. Dieses Angebot richtet sich an Kinder zwischen 3 und 12 Jahren und ist kostenlos. Frau Berg wünscht sich eine engere Verzahnung zwischen den verschiedenen Bereichen ihres Hauses. Bei den Veranstaltungen möchte sie nicht nur jüdisch-islamische Themen behandeln, sondern auch Beziehungen zu anderen Religionen berücksichtigen.
Aus dem Publikum darauf angesprochen, wie weit aktuelle israelische Politik Eingang in die Arbeit des Museum finden wird, betont Frau Berg, dass Tagespolitik und israelische Politik keine Themen für ihr Haus sein werden. Sie könne sich aber gut vorstellen, der künstlerischen Reflexion von Politik und Antisemitismus Raum zu geben. Dabei erwähnt sie den Dagesh-Kunstpreis, der 2021 unter der Überschrift der Wehrhaftigkeit von Kunst ausgeschrieben worden ist. In dem Zusammenhang beschreibt sie auch, wie wichtig es ihr ist, nach dem strittigen Ausscheiden ihres Vorgängers Peter Schäfer unter den MitarbeiterInnen wieder Ruhe einkehren zu lassen. Nach ihrer Darstellung haben die Vorwürfe von unterschiedlichen Seiten und die Kritik an der Arbeit des Hauses bei den MitarbeiterInnen spürbare Folgen hinterlassen, die aufzuarbeiten waren.
Die vorsichtige Art, in der Frau Berg formuliert, läßt erkennen, dass sie sich sehr wohl der aufmerksamen Beobachtung bewußt ist, der die weitere Arbeit des Museum unterliegt.
Antisemitismus wird ein Thema in ihrer zukünftigen Arbeit spielen, seine unterschiedlichen Quellen und aktuellen Erscheinungsformen. Schwerpunkte sollen hier in Aufklärung, Information und Dialog liegen. Dabei soll ein dichotomes Weltbild vermieden werden. Der Umgang mit dem Begriff Antisemitismus soll differenziert erfolgen und nicht politisch instrumentalisiert werden.
Für die weitere Arbeit des Jüdische Museums kündigt Frau Berg Ausstellungen zu Moses Mendelssohn, Marc Chagall und den Juden in der DDR an.
Es war wohltuend, Frau Berg in ihrer lebhaften und zugewandten Art kennenzulernen und zu erleben , wie souverän sie mit Beschwerden und Wünschen von Teilnehmerinnen der Veranstaltung umging.
Man darf gespannt sein.
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