Die Bornplatz Synagoge und der Antisemitismus

Synagoge am Bornplatz, Hamburg 1906. Blick von der Beneckestr. über Bornplatz und Binderstr. zur Synagoge mit Grindelhof (links). Knackstedt & Näther –
Postkarte Stiftung Historische Museen

Der israelische Historiker Moshe Zimmermann setzt sich bewußt dem Verwurf des Antisemitismus aus. Im Tagesspiegel vom 14.01.2021 bezieht er Stellung gegen die Replik der Synagoge am Bornplatz. Dabei beschreibt der geborene Hamburger seine familiäre Bindungen an diese Synagoge. Vor seiner Emigration nach Palästina im benachbarten Grindelviertel aufgewachsen besuchte er hier mit seiner Familie die Gottesdienste. Sein Großvater gehörte dem Gemeindevorstand an. In der Reichspogromnacht verwüstet wurde die Synagoge bald darauf abgerissen. Alsbald forderte der Hamburger Senat das Grundstück zurück, da seine Überlassung an den Betrieb des Gotteshauses gebunden war. Nach dem Krieg wurde dieser Platz erst auf Intervention von ehemaligen jüdischen Hamburgern in einen Gedenkort umgewandelt und nach Rabbiner Joseph Carlebach aus der berühmten Carlebachdynastie benannt.
Zimmermann legt schlüssig dar, dass es nach dem Bau der neuen Synagoge in Hamburg auch keinen gemeindlichen Grund für die jetzt zur Diskussion stehende Replik gebe. Außerdem sei die Leerstelle am Bornplatz eine viel wirksamere und auch schmerzhaftere Erinnerung an die Vertreibung und Ermordung der Hamburger Jüdinnen und Juden. Dieses Verbrechen ließe sich eben auch durch einen Wiederaufbau nicht heilen.
Die Befürworter des Wiederaufbaus haben jetzt ihr Vorhaben unter das Motto “Nein zu Antisemitismus, Ja zur Bornplatz Synagoge” gestellt. Damit stellen sie alle Kritiker unabhängig von ihren Argumenten unter den Generalverdacht des Antisemitismus.
Wer möchte sich im Öffentlichen Raum diesem Verdacht schon aussetzen?
Ein aktuelles Beispiel für das Instrumentalisieren des Begriffes Antisemitismus. –
Wehret auch hier den Anfängen.
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