Rettet die historische Deportationsrampe

Der Denkmalschutz für die historische Rampe auf dem Deportationsbahnhof Güterbahnhof Moabit muss dringend umgesetzt werden.

Am 18.08.2015   Zusammenhang mit dem Kunstwettbewerb für den Gedenkort Güterbahnhof Moabit  eine Sitzung im „Beratenden Ausschuß Kunst“ der Senatsverwaltung für Kultur statt. Dabei wurde sinngemäß von den Vertretern des Bezirksamtes Mitte vorgetragen, daß. . .

der historische Ort – am ehemaligen Güterbahnhof Moabit – stark überformt sei, da er von Hellweg (Baumarkt) und Lidl gewerblich genutzt würde. Das Gebäude und die Gleise seien bis auf wenige Rudimente abgerissen. . . .
. . . an dem Ort, der nicht unter Denkmalschutz stehe, erinnerten historisch anmutende Relikte (Pflastersteine, Restgleise aus den 1940er Jahren, Reste der Rampe) an die Geschichte des Ortes ( Anmerkung : Auch damals war bekannt und sichtbar, daß die Rampe und die Trasse des Gleises 69 noch weitgehend vorhanden und authentisch sind ).

Diese Sitzung bestätigte die Einschätzung, daß 2015 von Seiten der zuständigen Senatsverwaltung und des Bezirksamt Mitte kein weiteres Interesse bestand, auf dem ehemaligen Güterbahnhof Moabit nach historischen Spuren zu suchen.
Außerdem gab es für das Gebiet der Deportationsgleise  bis zu diesem Zeitpunkt ( 2015 ) keinen Denkmalschutz. Durch Initiativen aus dem Beratenden Ausschuß Kunst und dem Verein heraus gelang es, den Landeskonservator auf diesen unbefriedigenden Zustand aufmerksam zu machen.
In der Folge beschäftigte sich das Landesdenkmalamt wieder mit diesem Komplex und konnte Ende 2016 den Denkmalschutz nicht nur für das Gelände des Gedenkortes sondern auch für den Bereich der gesamten Rampe entlang der Trasse des Deportationsgleises 69 feststellen.
Die ehemaligen Deportationsgleise 81 und 82 mit der dazugehörigen Ladestraße waren dagegen der neuangelegten Ellen Epstein-Straße und den dahinter neuverlegten Bahngleisen zum Opfer gefallen.
Der bereits seit 2003 dort geplante Denkmalschutz hätte das verhindern können. Er war aber damals nach einer Auskunft eines früheren Mitarbeiters des Landesdenkmalamtes wegen anders gelagerter Interessen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nicht erwünscht gewesen.
Die betreffenden Grundstücke wurden dann unter anderem an die Firmen Lidl und Hellwig verkauft. In Öffentlicher Hand verblieb nur noch die Zuwegung zu den Gleisen.

Gleis69 Landesdenlmalkarte

Landesdenkmalamt Berlin (Datengrundlage), SenStadtWohn, Abt. III (Kartengrundlage) Stand 21.3.18

Landesdenkmalamt Berlin “Deportationsanlagen auf dem ehem. Güterbahnhof Moabit”

Nach Errichtung des Gedenkortes in 2017 und personeller Veränderungen im Landesdenkmalamt erhielt der Ort wieder mehr Aufmerksamkeit. In der Folge konnte dann im September 2018  eine archäologische Untersuchung der zugeschütteten Anteile der Deportationsrampe stattfinden. Die Rampe ließ sich auch unter den Aufschüttungen eindeutig nachweisen und ist noch in einer Länge von ca 150 m sichtbar vorhanden.

In einer Sitzung im April 2019  wurde dieses Gutachten von der Firma Restaurierung am Oberbaum im Landesdenkmalamt vorgestellt. Dabei waren der Landeskonservator, Angehörige des Landesdenkmalamtes, Angehörige des Bezirksamtes Mitte, Fachleute wie Prof.Nachama von der Topographie des Terrors und Gleis 69 e.V. anwesend. Vertreter der Senatsverwaltung für Kultur waren ebenfalls eingeladen. Fast alle Anwesenden waren sich darin einig, dass hier ein dringender Handlungsbedarf besteht, um die historische Rampe, die jetzt bereits stark korrodiert ist, vor völliger Zerstörung zu bewahren.

Dazu fehlt jetzt der politische Impuls auf Bezirks- und Landesebene.



Deshalb erheben wir die dringende Forderung:

In diesem Zusammenhang erschien im Dezember 2018 im Gedenkstättenrundbrief Nr. 192 ein längerer Artikel “Die Entstehung des Gedenkortes Güterbahnhof Moabit – eine Geschichte mit Hindernissen” zur wirklich langwierigen Entstehung des Gedenkortes .

Gedenkstättenrundbrief Nr. 192 (12/2018) S. 31-39