Bund der Steuerzahler kritisiert Finanzierung des Wiederaufbaus der Magdeburger Synagoge – nur Geschichtsvergessenheit?

Die Meldung läßt einen erst einmal verstummen. Ralf Seibicke ist Vorstandsmitglied beim sachsen-anhaltischen Steuerzahlerbund und früherer Leiter des Landesrechnungshofes von Sachsen-Anhalt. Er bestreitet der Jüdischen Gemeinde von Magdeburg das Recht, beim Land einen Antrag auf die Finanzierung des Wiederaufbaus der Alten Synagoge zu stellen. Was bringt diesen Mann dazu, sich zu dieser Angelegenheit so lautstark zu äußern? Muß er sich profilieren? Will er provozieren? So ahnungslos und geschichtsvergessen kann man doch einfach nicht sein, als daß man das Recht der Magdeburger Gemeinde auf Finanzierung der Synagoge bestreitet. Die Schuld der Ausplünderung und Ermordung der Juden haben wir noch lange nicht abgetragen.

Alte Synagoge Magdeburg, Große Schulstraße 22 c. Außenansicht der ehemaligen
Synagoge ca 1900, 1938 zerstört, 1939 abgebrochen. Gemeinfrei, Fotograf unbekannt

Peinlich ist es nur, daß man Menschen wie Herrn Seibicke daran immer wieder erinnern muß. Schon seine Diktion läßt aufhorchen. . .es müsse gestattet sein, den Einsatz öffentlicher Mittel auch bei einem Synagogen-Neubau zu hinterfragen . . . . diese Form der der vordergründigen Korrektheit ist mir vertraut. Ich sehe dann immer die Asservatentüte eines Dachau-Häftlings vor mir. Auf ihr war minutiös sein Tascheninhalt verzeichnet : . . zwei Hosenknöpfe, eine Büroklammer und 16 Pfennige. Diese Korrektheit hat ihn aber nicht davor bewahrt, in der nächsten Stunde zusammengeschlagen zu werden. –
Daß der Bundesverband der Steuerzahler , um eine Stellungnahme gebeten, auf seine Nichtzuständigkeit verweist, ist ein weiteres Armutszeugnis. Bei derart moralischen Fragen gibt es keine Nichtzuständigkeit. Man kann dem Verband nur empfehlen, sich von Herrn Seibicke zu trennen. Seine Intervention ist kein Ruhmesblatt für diesen Verein.
TOL-

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