
Fotograf Andreas Schwarzkopf, 2013. Unter CC BY-SA 3.0
Es braucht einen Schweizer Pfarrer, dem die Geschichte seines Landes gegenwärtig ist, ein Bahnwärterhaus und einen Kreis von kreativen und beharrlichen Menschen . . . dann entsteht daraus die einzige Gedenkstätte der Schweiz, die sich mit dem Verhalten des Landes gegenüber jüdischen Flüchtlingen auseinandersetzt. . . . und sich nur durch Spenden finanziert. Johannes Czwalina beschäftigt sich seit längerem mit dem Faschismus, dem Verhalten der Schweizer Behörden gegenüber den Flüchtlingen aus dem Nazi-Deutschland und dem Spielraum des einzelnen, um sich in Ausnahmesituationen seine Menschlichkeit zu bewahren. Ein glücklicher Zufall führte zu einem Bahnwärterhaus an der Eisenbahnstrecke von Deutschland zum Badischen Bahnhof in Basel. Dieses Bauwerk war Zeuge von Fluchtversuchen deutscher Juden – jetzt stand es als Eigentum der Deutschen Bahn zum Verkauf. Mittlerweile ist dieses historische Bahnwärterhaus in Riehen zu einer bekannten Gedenkstätte ausgebaut worden. Ein Verein hat sich um diese Institution gebildet und hat eine Dauerausstellung geschaffen. Hier finden regelmäßig Tagungen und Konzerte statt, für Gruppen und insbesondere Schulklassen werden Führungen angeboten. Auf der Konferenz „Berlin – ein jüdisches Zuhause“ im Dezember 2025 konnte Johannes Czwalina von seinem Projekt berichten. Zu dieser Veranstaltung hatte Kahal Adass Jisroel in die Humboldt-Universität eingeladen.
Auf der langjährigen Suche nach einer Nachfolgeinstitution für die Gedenkstätte hat sich jetzt das Zentrum für Jüdische Studien angeboten. Das Institut der Universität Basel wird die akademische Leitung der Gedenkstätte übernehmen. Gleichzeitig signalisiert die Gemeinde Riehen, sich in Zukunft an den Kosten der Einrichtung beteiligen zu wollen.
In dem Zusammenhang sind zwei Beiträge des Schweizer Radios von Interesse. Unter dem 2. Juni 2017 berichtet es von einer Dissertation, die Ruth Fivaz-Silbermann an der Universität Genf vorgelegt hat. Sie beschäftigt sich mit dem Thema «Die Flucht in die Schweiz. Migrationen, Strategien, Flucht, Aufnahme, Wegweisung und Schicksal der jüdischen Flüchtlinge, die im Zweiten Weltkrieg aus Frankreich kamen». In dieser Arbeit und der folgenden Diskussion wird deutlich, dass es bis jetzt noch keine einheitliche Sicht auf die damals handelnden Personen und keine gesicherte Zahlen zum Umfang der zurückgewiesenen Flüchtlinge gibt. Das liegt teilweise auch daran, das die entsprechenden Unterlagen nach dem Krieg vernichtet worden oder nicht mehr auffindbar sind.
Der zweite Beitrag vom 2. März 2026 beschreibt die Kinderzüge aus der freien Zone Frankreichs unter der Vichy-Regierung und Monaco. Dabei wurden Kinder zur Erholung für einige Monate zur Erholung unter großem medialen Aufwand in die Schweiz geholt.

Fotograf unbekannt Archive Swiss Red Cross / Archiv SRK. Unter CC BY-SA 3.0
Anfangs lag die Organisation bei der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für kriegsgeschädigte Kinder (SAK). Ab 1942 übernahm das Schweizer Rote Kreuz unter Aufsicht des Militärs diese Aufgabe. Dabei herrschten strikte Regeln, der Verwaltungsaufwand war groß und die Kinder wurden ebenfalls von deutschen Soldaten kontrolliert. Jüdische Kinder sind nie in diese Erholungsaktion miteinbezogen worden.
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