Der diesjährige Tag des Offenen Denkmals ermöglichte auch eine Rückschau auf die jüngere deutsche Zeitgeschichte. Gleichzeitig bot er Gelegenheit, sich damit auseinanderzusetzen, wie in den letzten Jahren mit der Erinnerung an diese Zeit umgegangen wird. Diese Auseinandersetzung gibt Anlass zu vielen Fragen und nicht geringer Kritik.
Hier am Gleis 69 auf dem Gedenkort Güterbahnhof Moabit vermisst der Besucher den Respekt vor einem historischen Ort, insbesondere vor der Deportationsrampe. Das aktuelle Bild passt so wenig zu den offiziellen Verlautbarungen, die regelmäßig an bestimmten Gedenktagen zu hören sind. Klagen über das geringe Geschichtsbewusstsein der Jugend sind wohlfeil. Vorbildhaftes Handeln, an dem sich diese Jugend orientieren könnte, ist Mangelware.

Der kritische Ton, in dem wir unsere Führung am ehemaligen Güterbahnhof Moabit angekündigt hatten, bewegte heute eine kleine Gruppe Interessierter zu einem Besuch dieses Ortes. Sie erhielt einen Einblick in die Bezirks- und Eisenbahngeschichte und in die Deportationen, die hier vom größten Berliner Deportationsbahnhof aus in den Osten gegangen waren.
Sie erfuhren aber auch die lange und quälende Vorgeschichte dieses bescheidenen Gedenkortes und konnten mit eigenen Augen die schwer zu akzeptierende Situation der historischen Deportationsrampe beurteilen. Der lebhafte Parkverkehr auf dem Parkplatz des anliegenden Lebensmitteldiscounters war einfach nicht zu übersehen. Dabei wird keinem der Fahrer bewusst gewesen sein, dass er gerade seinen Wagen auf einer ehemaligen Deportationsrampe abstellte.
Mit Interesse registrierte die Gruppe, dass Spezialisten der Deutschen Bahn 2022 diesem über 130 Jahre alten Bauwerk nur noch eine Überlebenszeit von 10 Jahren gaben. Mittlerweile sind wir im Jahr 2025.
Mit Befremden beobachtete die Gruppe, dass an diesem öffentlichen Gedenkort unübersehbar neuer und auch älterer Müll herumlag.

Die Gruppe wünschte uns zum Abschied viel Glück und Kraft, um unsere Bemühungen für die Rettung dieses gefährdeten Bauwerks fortzusetzen. Beides werden wir noch brauchen können.
red-