
Im Herbst 2024 eröffnete in der Ihnestr.22 in Berlin-Dahlem eine Dauerausstellung zum früheren Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik (KWI-A). Dieses Institut war dort 1927 gegründet worden und stellte sich bald nach der NS-Machtübernahme in den Dienst des neuen Regimes. Daran erinnert seit Oktober 2024 der neue Erinnerungsort.

Im Gedenkstättenrundbrief vom Dezember 2025 schildert Manuela Bauche, die Leiterin dieser Einrichtung, die Geschichte und das Konzept des Erinnerungsortes.
Anfang der 1980er Jahre war einer Doktorandin der FU der Zusammenhang der Adresse Ihnestr.22 mit dem KWI-A aufgefallen. Selbstinitiierte Gruppen aus der Dozenten- und Studentenschaft verfolgten das Thema weiter und machten1987 mit einer Gedenktafel auf die Geschichte dieses Ortes aufmerksam. Die Tafel wurde kurz darauf wieder entfernt. Jetzt sahen sich aber Freie Universität Berlin (FUB) und Max-Planck-Gesellschaft als Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Zugzwang und ließen 1988 daraufhin dort eine offizielle Tafel anbringen.

Den nächsten Impuls für einen Erinnerungsort gab 2014 die Entdeckung von Knochenresten, die bei Bauarbeiten auf diesem Grundstück gefunden wurden. 2017 erreichte eine studentische Initiative, dass 2018 schließlich eine Stelle zur weiteren Erforschung dieses Themas eingerichtet wurde. Sie wird heute von der Leitung des Erinnerungsortes, Dr. Manuele Bauche, genutzt.
Der Erinnerungsort in der FUB und die Ausstellung verbinden sich mit der Vergangenheit des KWI-A einmal durch die Örtlichkeit mit seiner kolonialen Sammlung einschließlich der Überreste der ermordeten Uikaba und Nabna aus dem heutigen Namibia, aber auch aus der Tätigkeit des Institutes im Zusammenhang mit den Nürnberger Rassegesetzen und den eugenisch begründeten Zwangssterilisierungen.
Zum anderen bestehen Kontinuitäten in den Personen von Hans Nachtsheim und Hermann Muckermann. Ersterer hatte im KWI-A über Erbpathologie gearbeitet und war an Experimenten mit Kindern beteiligt, an der FUB hatte er dann das Institut für Genetik aufgebaut. Letzterer war im KWI-A für Eugenik zuständig, nach 1945 dann Professor an der TU Berlin und gleichzeitig Honorarprofessor an der FU Berlin. Dort baute er das Institut für angewandte Anthropologie auf. Die übrigen Abteilungsleiter des KWI-A fanden nach dem Krieg ebenfalls als Hochschullehrer an deutschen Universitäten ihren Platz. Sie wurden in Fachkreisen als „Dahlemer Kreis“ bezeichnet.
Die Ausstellung macht deutlich, dass Wissenschaft sich nicht per se Grenzen setzt. Es ist unabweisbar eine gesellschaftliche Aufgabe entsprechende Normen zu setzen und ihre Beachtung zu überwachen.
Die Ausstellung wird bewusst auf den Fluren des heutigen Otto-Suhr-Institutes gezeigt, um den Besuchern des Gebäudes zahlreiche zufällige oder beabsichtigte Gelegenheiten zur Begegnung mit der Vergangenheit des Gebäudes zu geben. Daneben bestehen die unterschiedlichsten Ansätze, Gruppen und Institutionen aus der Universität anzusprechen. Auch an weitere Forschungsansätze ist gedacht.
Im März 2023 lenkte eine Gedenkveranstaltung auf dem Waldfriedhof in Dahlem noch einmal die Aufmerksamkeit auf die Tätigkeit des KWI-A, als die sterblichen Überreste aus den Sammlungen des Institutes dort beerdigt wurden.

März 2023 auf dem Waldfriedhof in Berlin-Dahlem. TAL
Bald nach der Eröffnung der Ausstellung hatten wir die Gelegenheit zu einem Besuch in der Ihnestr.22 und haben dabei verschiedene Eindrücke festgehalten.
red-