Eine Bremer Geschichte

Im Unterschied zum Bremer Umland kam es erst mit der französischen Besatzung 1803 zur ersten Ansiedlung von Juden in der Stadt Bremen . Und sie endete auch wieder mit dem Abzug der Franzosen. Auch nach dem Beitritt Bremens zum Norddeutschen Bund verweigerte der Bremer Rat ihnen die Bürgerrechte. Die wurden ihnen erst 1849 zugestanden.

Detail von den Bronzetüren des Bremer Dom. Entwurf Peter Fuchs (erstellt 1895–1898). 2009. TAL.
Die Abbildung wird jetzt von der Kirchengemeinde kritisch betrachtet.

1856 wurde die erste Synagoge eröffnet. 1876 wurde eine größere in der Gartenstr. 6 gebaut und daneben im später sog. Rosenak-Haus verschiedene Gemeindeeinrichtungen untergebracht.1896 wurde der erste bremische Rabbiner, Dr. Leopold Rosenak, eingestellt. Um 1930 lebten über 1300 Juden in der Stadt. Mit der NS-Machtergreifung setzte die Verfolgung der Bremer Juden ein, ihre Synagogen und sonstigen Einrichtungen wurde schließlich geplündert und zerstört.

Ruine der Synagoge in der Gartenstraße 6, links daneben das Gemeindehaus (Nr. 7),
heute Rosenak-Haus genannt, Ende der 1940er Jahre. Center for Jewish History, NYC.
https://www.flickr.com/photos/center_for_jewish_history/4416683871/

Ab November 1941 begannen die Deportationen, u.a. nach Minsk, Riga und Theresienstadt. Im Juni 1945 lebten noch 93 Juden in Bremen, darunter 56 Überlebende aus dem Ghetto Theresienstadt.
Am 16. August 1945 wurde erneut eine Israelitische Gemeinde gegründet. Der Gemeindeaufbau gestaltete sich bei wenig Unterstützung durch die Bremer Verwaltung schwierig. 1961 umfasste die Gemeinde gerade 150 Mitglieder. Erst durch den Zuzug aus den GUS-Staaten kam es zu einem nennenswerten Aufwuchs.

An die Deportation der Bremer Jüdinnen und Juden nach Minsk erinnerte im November 2025 eine Ausstellung in der Kirche unserer lieben Frauen. Die Künstlerin Dagmar Calais und der Kunsthistoriker Chris Steinbrecher hatten sich die Aufgabe gestellt, das Geschehen vom 18. November 1941 wieder in Erinnerung zu rufen.

Hermann-Böse-Gymnasium , Bremen 2025. ubr

Damals waren 566 Menschen vom heutigen Hermann-Böse-Gymnasium und

der Oberschule am Barkhof aus über den Lloyd-Bahnhof nach Weißrussland deportiert worden.

Lloyd-Bahnhof (jetzt Hoteleingang), früher Lloyd-Bahnhof, Gepäckabteilung und Auswandererbahnhof
des Norddeutschen Lloyd in Bremen. Foto Quarz. Unter CC BY-SA 3.0

Nur sechs Männer haben von dieser Gruppe überlebt. Die Ausstellung in der Kirche vermittelte mit einem großen Bild die Situation auf dem Bahnhof und das Geschehen bei der Deportation. Im Kirchenschiff standen 560 Stelen dem großen Bahnhofsbild gegenüber, die mit Namen und QRC-Codes den Platz der Deportierten einnahmen. Die Ausstellung begleiteten verschiedene Vorträge und musikalische Darbietungen. Für Gruppen und Schulklassen boten das Künstlerpaar Führungen an.
Die Kirche Unser lieben Frauen steht direkt neben dem Rathaus mit Rolandsäule und Stadtmusikanten. Sie ist die alte Rats- und Marktkirche der Stadt.
red-