Gleis 69 – Erinnern an eine deutsche Familie – ein Erinnern besonderer Art

vor dem Zentrum für Kunst und Urbanistik ZK/U in Moabit

Heute gab es die Gelegenheit im Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U) in Moabit, sich einmal auf eine ganz andere Weise mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen. Und das nicht irgendwo – sondern am authentischen Ort. Am ehemaligen Güterbahnhof Moabit, der mit seinen Militärgleisen eine zentrale Rolle bei der Deportation der Berliner Jüdinnen und Juden gespielt hat. Schüler der Theodor-Heuss-Gemeinschaftsschule und Mitglieder des Vereins Tanz Theater Dialoge hatten seit dem letzten Herbst eine szenische Darstellung der Geschehnisse um das Gleis 69 und die Familie Eichelbaum erarbeitet.
Diese Aufführung war umrahmt vom Vortrag der Menschen-und Grundrechte, dann schloss sich eine Folge von Texten und szenischen Darstellungen an, die die Geschichte der Familie Eichelbaum im Dritten Reich erzählte. Siegfried Eichelbaum war bereits um 1890 mit seinen Eltern nach Neuseeland ausgewandert. Je bedrohlicher die Situation in Deutschland für Juden wurde, umso zahlreicher und umso dringlicher traten die Verwandten der weitverzweigten Familie an Siegfried Eichelbaum heran. Sie baten ihn um Hilfe bei der Auswanderung. Gelang ihm das noch bei seinem Cousin Walter, so lehnten die neuseeländischen Behörden auch vor dem Hintergrund des drohenden Weltkriegs weitere Flüchtlinge ab. Die Briefe klingen zum Schluß immer dringender, immer verzweifelter und bleiben schließlich aus. Am Ende stand immer Gleis 69, die Deportation, der Tod – ob in Riga, Warschau oder Auschwitz.
Alle Beteiligten hatten sich offensichtlich so intensiv mit dem Stoff beschäftigt, dass sie ohne Mühe die Zuschauer in die Handlung miteinbeziehen und fesseln konnten. Die Betroffenheit im ZK/U war deutlich spürbar. Um so kräftiger war der Schlussapplaus und der Dank an die Mitwirkenden. Auch Fragen nach einer Aufführung am anderen Ort wurden laut.
Für Interessenten gab es dann im Keller die Begleitausstellung zum Theaterprojekt zu besichtigen. Ich halte sie für so gelungen, dass sie später noch an einem anderen, mehr frequentierten Ort zu sehen sein sollte.
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