18. Oktober 1941 – Die erste Deportation von Berliner Juden

Gleis 17 Bahnhof Grunewald

Vera Friedländer 18. Oktober 2018 – © Foto STW

Mehrere 100 Menschen waren am 18. Oktober zu einer eindrücklichen Gedenkveranstaltung am „Gleis 17“  gekommen, um an die Deportationen von jüdischen Menschen zu erinnern und der Opfer zu gedenken. Am 18. Oktober 1941 war der erste Deportationszug vom Bahnhof Grunewald auf den Weg nach Osten geschickt worden, mit über 1000 Berliner Juden. Ziel war das Ghetto in Lódz. Die Gedenkveranstaltung findet seit 2011 auf Anregung der Holocaust-Überlebenden Inge Deutschkron statt.

Wie schon in den letzten Jahren standen auch dieses Mal die Rede einer Zeitzeugin und ein Beitrag einer Berliner Schülergruppe in Mittelpunkt der Veranstaltung. Eindrucksvoll berichtete Vera Friedländer, wie sie als Tochter einer jüdischen Mutter und eines christlichen Vaters, der sich weigerte, sich von seiner Frau scheiden zu lassen, die Verfolgungen erlebt hat. Die 92-jährige Zeitzeugin, die nach dem Krieg in der DDR lebte und auch längere Zeit als Germanistin an der Universität in Warschau lehrte, sprach ohne Manuskript. Die Erinnerungen haben sich ihr tief eingebrannt. Dass sie überlebt hat und auch ihre Mutter, ist dem Vater der Familie zu verdanken. Er kam wegen seiner Weigerung, die Familie zu verlassen und sich scheiden zu lassen, in ein Lager der Organisation Todt. Ihre Mutter war vorher im Zusammenhang mit der „Fabrikaktion“ 1943 verhaftet worden und sollte deportiert werden. Sie wurde aber nach wenigen Tagen wieder frei gelassen, weil Goebbels den Beschluss rückgängig gemacht hatte, dass Juden aus Mischehen 1943 auch deportiert werden. Vera selbst war mit 16 Jahren zur Zwangsarbeit bei Salamander verpflichtet worden.

Gleis 17 Bahnhof Grundewald

Gleis 17 Bhf Grunewald 18. Oktober 2018 -© Foto STW

Schüler*innen eines Geschichtsleistungskurses der John-Lennon-Schule hatten sich mit der Verfolgungsgeschichte des damals 16-jährigen Zwi Abraham beschäftigt, der ursprünglich Schüler ihrer Vorgängerschule gewesen war. Er musste die Schule nach der 8. Klasse verlassen und wurde zur Zwangsarbeit eingezogen. Deshalb hat er den Abtransport seiner Eltern zur Deportation selbst nicht miterlebt. Er hatte nur die offenen Lastwagen gesehen, auf denen Menschen abtransportiert wurden. Von seinen Eltern hat er sich nicht verabschieden können. Zwi beschloss unterzutauchen und schloss sich Freunden an, die zur jüdischen Widerstandsgruppe „Chuk Chaluzi“ (Kreis der Pioniere) gehörten. In einer überlegten Choreographie stellten die Schüler*innen ihre Recherche-Ergebnisse in knappen informativen Beiträgen vor und reflektierten die Unterschiede zwischen ihren heutigen Lebensbedingungen und denen der verfolgten Jugendlichen in der NS-Zeit.

Prof. Dr. Johannes Tuchel , der als Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Leiter der NS-Gedenkorte im Berliner Raum sprach, zitierte Notizen von Dietrich von Bonhoeffer über die ersten Deportationen 1941. Demnach war die Sammelstelle für die Deportierten des 1. Deportationszuges am 18.10. 1941 die Synagoge in der Levetzowstraße.Am Schluss der Veranstaltung legten die Besucher weiße Rosen an den Erinnerungstafeln für die Deportationszüge ab.

STW

Gleis 17 Bahnhof Grundewald

Gleis 17 Bhf Grunewald 18. Oktober 2018 – © Foto STW