Unser Gründungsmitglied B.V. ist unverhofft mit dem Schicksal zweier ihrer Tanten konfrontiert worden. Über die Genealogie-Seite geni.com erhielt sie die Anfrage, ob sie mit zwei Frauen aus einem Außenlager des KZ Ravensbrück verwandt sei. Die Mädchennamen der beiden stimmten, ein beigelegtes Foto half aber nicht weiter. Erst der Kontakt mit einer kleinen Gruppe von zivilgesellschaftlich engagierten Menschen aus Penig gab ihr die Gewissheit, dass es sich bei den aus dem Außenlager befreiten Frauen um ihre Tanten handelte.

https://collections.ushmm.org/search/catalog/pa19977. o.A.. Gemeinfrei.
Das Außenlager Penig, zwischen Chemnitz und Leipzig gelegen, wurde 1944 für einen Rüstungsbetrieb eröffnet. Das Max Gehrt-Werk benötigte dringend Arbeitskräfte. Bereits nach kurzer Zeit stellten 703 ungarische Frauen Bauteile für die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG her. Die KZ-Häftlinge waren aus dem KZ Ravensbrück hierher verlagert worden. Da die Frauen in drei Schichten arbeiten mussten, durchquerten sie sechsmal jeden Tag in der Woche Tag in Kolonnen die kleine Stadt auf einem vier Kilometer langen Weg. Dabei mussten sie einfach von der Bevölkerung wahrgenommen werden.
Die Lebensbedingungen im Lager waren menschenverachtend. Die Lebensmittelversorgung war völlig unzureichend, es gab kein Wasser im Lager, die hygienischen Bedingungen waren katastrophal. In der Folge erkrankten zunehmend mehr Häftlinge an Infektionen und ansteckenden Hauterkrankungen. Gleichzeitig fehlte jegliche medizinische Versorgung.
Als sich die amerikanischen Truppen dem Lager näherten, wurde es um den 13. April 1945 geräumt und die Frauen auf einen Todesmarsch geschickt. Erst im böhmischen Leitmeritz konnten sie befreit werden. Die SS-Wachmanschaften hatten da die Flucht ergriffen. Am 15. April fanden dann amerikanische Truppen achtzig entkräftete und schwerkranke Frauen in der „Krüppelbaracke“ des Lagers vor. Sie waren ohne jegliche Versorgung hilflos zurückgelassen worden.

https://www.yadvashem.org/holocaust/this-month/april/1945-3.html. o.A.. Gemeinfrei.

Die Geschichte dieses Lagers und der dort festgehaltenen und ausgebeuteten Frauen hat eine kleine Gruppe Engagierter aus Penig seit 2014 recherchiert und in einer Wanderaustellung dargestellt. Diese Ausstellung ist jetzt seit 2025 zu sehen. Zu der Eröffnung waren die Nachkommen der Häftlinge eingeladen worden. Bei dieser Veranstaltung beschlossen die Teilnehmerinnen, dass diese Ausstellung auch in ihrer Heimat, in Budapest, gezeigt werden müsse. B.V. ist es gelungen, dass die Ausstellung jetzt in Budapest gezeigt werden wird. Auf ihre Bitte hat sich die Deutsche Botschaft bereit erklärt, die Schirmherrschaft für die Ausstellung zu übernehmen. Von allen Beteilgten wird jetzt mit Spannung und Neugierde die Eröffnung am 10.4.2026 erwartet (Holokauszt Emlékközpont Budapest Páva utca 39).
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