
Gestern konnte man dem Senatspressedienst entnehmen, dass der Senat von Berlin beschlossen hat, am 15. März den Internationalen Tag gegen Islamfeindlichkeit zu begehen. Dieser Tag geht auf einen UN-Beschluss 2024 zurück, der sich auf das Attentat 2019 auf die Moschee in Christchurch, NZ bezog.
Nach einem kurzen Innehalten waren dann eine Reihe unterschiedlicher Anmerkungen dazu zu hören. So bestätigten verschiedene Islamverbände die täglich erlebten antimuslimischen Erfahrungen. Dagegen führt der Neuköllner Bürgermeister, in dessen Bezirk die Sonnenallee liegt, die zahlreicheren antisemitischen Vorfälle an. Ebenfalls kritisch äußert sich die Ethnologin Susanne Schröter und führt den UN-Beschluss auf die Initiative der Organisation für islamische Zusammenarbeit zurück, die sich gegen Kritik am Islam wehrt. Die Rechtsanwältin und Imamin Seyran Ateş von der Ibn Rushd – Goethe – Moscheegemeinde erlebt den Konflikt mit besonders gewaltbereiten muslimischen Gruppen. Sie hätte statt des jetzt beschlossenen Gedenktages lieber den 22. August, den Internationalen Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalttaten auf Grund von Religion oder Weltanschauung, gewählt. Damit wären alle in dieser Hinsicht mit Gewalt konfrontierten Gruppen eingeschlossen worden. Der jetzige Senatsbeschluss sei völlig ohne eine Abstimmung mit den Betroffenen erfolgt und habe ihnen ungefragt eine Opferrolle zugedacht. Auch die Berliner Bezirke wurden von dem genannten Beschluss überrascht.
Jetzt herrscht Ratlosigkeit, wie mit diesem Tag umzugehen sei. Gerade in Berlin gibt es eine große Anzahl an Menschen, Gruppen, Institutionen, die sich gern bei diesem Thema beteiligt hätten. Eine vertane Chance. Ein Kommunikationsversagen?
red-