Die Straße Siegmunds Hof im Berliner Hansaviertel steht für ganz unterschiedliches jüdisches Leben. An der Ecke Bachstraße wohnte Gabriele Tergit aus einer schon assimilierten jüdischen Familie, im Haus daneben der neo-orthodox eingestellte Kinderarzt Jacob Levy.


Jerusalem 1966.
In der Nummer 16 die Familie Sachs, ein Teil der Unternehmerfamilie, die auch als Gummi-Sachse bekannt waren. Nelly Sachs fühlte sich in ihrer Jugend zum Katholischen Glauben hingezogen. In der Nummer 11 stand das Atelierhaus, in dem Joseph Budko zehn Jahre als Graphiker gearbeitet hat – Schüler von Hermann Struck, von den Eltern eigentlich für eine Rabbinerausbildung vorgesehen und Zeit seines Lebens dem osteuropäischen Judentum zugeneigt.


Dieses Atelierhaus wurde dann in den dreissiger Jahren von der neo-orthodoxen Synagogengemeinde Adass Jisroel übernommen und zu einem Schulwerk mit breit gefächertem Schulangebot umgewandelt. Jakob Levy war hier Schularzt. Ein Atelierraum wurde auch zu einer Synagoge umgebaut. 1940 wurde hier heimlich wahrscheinlich die letzte Sukka in Berlin errichtet, um das Laubhüttenfest zu feiern.

Die zahlreichen Stolpersteine in der Straße geben Zeugnis vom Schicksal der hier ursprünglich lebenden und dann ermordeten Juden.

Hier in Siegmunds Hof fand heute eine Zeremonie zur Erinnerung an die vier jüdischen Familien, die bis 1933 im Haus Nummer 21 gewohnt haben. Ein Bewohner dieses Hauses hatte ihre weiteren Lebenswege recherchiert und dann das Ergebnis auf einer Tafel am Hauseingang festgehalten. Ihm gelang es sogar Nachfahren einer der Familien in Australien aufzuspüren. Ein bemerkenswertes Beispiel von bürgerschaftlichem Engagement.


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Zu diesem Ereignis versammelten sich ein Kreis von interessierten Menschen aus der Nachbarschaft. Nachdem die Tafel angebracht war, trafen sich die aufmerksamen ZuhörerInnen zu einem weiterführenden Gespräch bei Kaffee und Kuchen.
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