
In der letzten Woche fand wieder die alljährliche Veranstaltung zur Erinnerung an den Protest der Frauen Februar 1943 in der Rosenstraße statt. Im Rahmen der sogenannten Fabrikaktion hatten SS und Gestapo mehrere Tausend Berliner Juden von ihrem Arbeitsplatz weg verhaftet und an verschiedenen Orten in Berlin festgehalten, u.a. in der Synagoge Levetzowstraße, im Clou in Kreuzberg und in dem Gebäude der Jüdischen Gemeinde in der Rosenstraße 2-4 . Am 27. Februar versammelten sich daraufhin Ehefrauen der verhafteten jüdischen Männer vor dem Gebäude und forderten die Freilassung ihrer Angehörigen. Als in einer sogenannten Mischehe mit einem nichtjüdischen Partner lebend waren sie bis jetzt nach den NS-Bestimmungen von Deportationen ausgenommen worden.
Während die in den anderen Sammellagern Festgehaltenen überwiegend in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet wurden, konnten die Juden aus der Rosenstraße nach einigen Tagen wieder freigelassen in ihre Familien zurückkehren. Was letztendlich zu dieser Entscheidung geführt hat, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Sowohl der rechtliche Status der Verhafteten als auch eine Intervention von politischer Seite können der Grund gewesen sein. Auf jeden Fall stellt der Protest der Frauen ein Zeichen großen Mutes dar, als sie unter den damaligen politischen Bedingungen und auch nach der Androhung von Gewalt nicht von der Stelle wichen.

in der Großen Hamburger Straße. TAL
Nach dem Stillen Gedenken vor dem Denkmal für das Sammellager Große Hamburger Straße folgte die Veranstaltung vor dem Denkmal für die Frauen der Rosenstraße.
Die Leiterin der Gedenkstätte Sachsenhausen, Dr. Astrid Ley, und eine Vertreterin des Bundes erinnerten in ihren Reden an die historischen Ereignisse und die Verpflichtung, die daraus für die heutige Gesellschaft erwächst.

Deutlich kritischer gestimmt beschrieb Dr. Moshe Offenberg von der Israelitischen Synagogen-Gemeinde Adass Jisroel die deutsche Erinnerungskultur als geradezu perfekt. Sie habe aber dennoch den weiterhin in der Mitte der Gesellschaft bestehenden Antisemitismus nicht beseitigen können. An dieser Stelle bestünde noch deutlicher Nachbesserungsbedarf.


Nach einem trialogischen Austausch der Religionen folgte ein hebräischer Gebetsgesang, eindrucksvoll von Esther Hirsch, der Kantorin der Sukkat Schalom Synagogengemeinde vorgetragen und der Kaddish von der Rabbinerin Gesa Ederberg.


Eine Gesangsgruppe des Moses Mendelssohn Gymnasium begleitete musikalisch die Veranstaltung, die erfreulich gut besucht war.


Zum Abschluß legten die Gäste weiße Rosen an dem Denkmal von Ingeborg Hunzinger nieder.
red-