Die Römer entdeckten auf ihrem Weg entlang des Rheins nach Norden auch dieses angenehme Tal am Schwarzwaldrand. Hier siedelten sich offenbar vermögende Familien an, und es entstand eine ansehnliche Therme.


Mitte des 19. Jahrhundert tauchten mit der Bahn im Rheintal wieder Touristen in diesem Schwarzwaldtal auf. Die gute Luft und die Thermalquelle in Badenweiler bildeten die Grundlage für die sich schnell entwickelnde Badekultur. Insbesondere als die Bahnanbindung von Müllheim aus dazukam. Eine Schmalspurbahn, anfangs von einer Dampflok gezogen und später auch elektrifiziert, brachte die Menschen direkt in die Ortsmitte von Badenweiler.
Dort fanden auch orthodoxe Juden im koscheren Hotel Bellevue alles vor, was ihnen einen Aufenthalt möglich und angenehm machte. Es gab einen Schochet und einen Chasan, der in den hoteleigenen Betsaal zu Gebet und Gottesdiensten einlud.

Die Besitzerfamilie Levi-Mager war in der jüdischen Gemeinde des benachbarten Müllheim vielfältig aktiv. Sie betrieb gleichzeitig in der Wintersaison ein Hotel in San Remo. Eine weitere jüdische Familie, Fritz Monasch mit drei Töchtern, war im Ort mit einem Textilgeschäft vertreten.
Auch beim Adel, dem Großbürgertum und Künstlern fand das aufstrebende Bad zunehmenden Anklang. So suchten hier beispielsweise Scholem Aleichem , Anton Tschechow, Hermann Hesse und Oskar Schlemmer Entspannung und Gesundheit. Ebenso der badische Großherzog und die Kaiserin mit ihren Kindern. Auch hatte sich der bekannte Arzt Albert Fraenkel hier niedergelassen. Mit seinen Schwerpunkten, Behandlung von Tuberkulose und Herzerkrankungen, zog er viele Patienten an.
Die Situation änderte sich umgehend 1933 mit der Machtübernahme des NS-Regimes.
Die jüdischen Hotels schlossen, die jüdischen Touristen blieben aus. Die jüdische Gemeinde in Müllheim geriet zunehmend in Bedrängnis. 1938 wurde dort die Synagoge niedergebrannt.


1940 begannen die ersten Deportationen der badischen Juden in das berüchtigte Lager Gurs am französischen Pyenäenrand. Dorthin wurden auch die drei Schwestern Monasch verschleppt. Die Familie Levi-Mager wurde 1943 in der Nähe von Paris von der Gestapo verhaftet. In weiteren Transporten gelangten die Badenweiler Juden schließlich nach Auschwitz und wurden dort ermordet.





Das Mahnmal für das Internierungslager Gurs auf dem Friedhof in Badenweiler. TAL
Stolpersteine an ihren Wohnorten, Gedenksteine auf dem Badenweiler Friedhof und auf dem Jüdischen Friedhof in Müllheim erinnern heute an die Familien Levi-Mager und Monasch.



Gedenktafeln für die ermordeten Juden der jüdischen Gemeinde Müllheim. TAL

Im heutigen Ortsbild von Badenweiler erinnert aber nichts mehr an des lebendige jüdische Leben in diesem Kurort. Im Kurpark freut sich der Besucher über den alten und vielfältigen Baumbestand, von den früher so gerühmten Blumenrabatten ist aber kaum noch etwas zu sehen.



Badenweiler um 1900. TAL

Verschiedene Bauten erinnern noch an die Zeit um die Jahrhundertwende. Dazwischen drängen sich aber jetzt etliche Neubauten insbesondere Apartmenthäuser. Eine strengere Bauordnung hätte das vielleicht verhindern können.
In Müllheim stößt man bei der Suche nach dem Ort der ehemaligen Synagoge auf einen gut benutzten Parkplatz in der Innenstadt. In einem Winkel steht ein bescheidenes Mahnmal mit einer fragwürdigen Beschriftung.



Inschrift auf dem Denkmal. TAL


Die Synagoge, beschädigt und nicht mehr gepflegt, wurde 1968 abgerissen. Der Oberrat der Israeliten Badens der Stadt Müllheim hätte keine Einwände gegen den Abriss gehabt. Dieser Abriss ist heute zu Recht umstritten.
In einer Broschüre der Stadt Müllheim ist in diesem Zusammenhang zu lesen „ Nach der forcierten Auflösung der jüdischen Gemeinde und dem Wegzug ihrer letzten Glaubensangehörigen ging das Haus [die Synagoge] in städtischen Besitz über.“ Vielleicht findet die Stadtverwaltung bei einer Neuauflage eine angemessenere Formulierung.
red-
