Das Rosalind Franklin Gymnasium unterwegs in Moabit

In Zusammenarbeit mit dem Rosalind Franklin Gymnasium sind wir dabei, einen Stadtspaziergang rund um die Schule zu entwickeln. Die neu aufgenommenen Schülerinnen und Schüler der siebenten Klassen kommen nicht nur aus diesem Bezirk, sondern auch aus ganz Berlin. Da nur ein Teil von ihnen mit Moabit vertraut ist, beabsichtigen wir, sie auf diese Weise mit ihrer neuen Schulumgebung bekannt zu machen. Gleichzeitig wandern sie so auch durch 150 Jahre Bezirksgeschichte.

Der Dominikaner Bruder Florian begrüßt die klasse bei St. Paulus. gip.

Das freundliche Wetter war heute wie bestellt. In der Oldenburger Straße bekam die Klasse einen ersten Eindruck von der Backsteinfassade des Dominikanerklosters St. Paulus. Das neogothische Gebäude hebt sich deutlich von den anderen Häusern in der Straße ab. Vor der Kirche begrüßte uns Bruder Florian. Anhand der Innenausstattung erklärte er die zentralen Inhalte des christlichen Glaubens und zeigte Verbindungen zu anderen Religionen auf. Für etliche der SchülerInnen war es sicher das erste Mal, einen Mönch in seinem Habit zu erleben.

Das Kircheninnere von St. Paulus. TAL

Vor dem Ledigenheim in der Waldenser Straße, heute ein Jugendhotel, ließ sich die Wohnungsnot um 1900 gut vermitteln. Damals besaßen über 100 000 Berliner kein eigenes Bett, sondern mussten es sich gegen Bezahlung stundenweise in fremden Haushalten mieten. Im Hof des Heims galt der Blick der Gedenktafel für das 25jährige Thronjubiläum Kaiser Wilhelm II.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite bot der ehemalige Pferdeeisenbahnhof Anlass, an die mit Pferden betriebene Straßenbahn Berlins zu erinnern. Und an alles, was mit dem Einsatz der Tiere zu tun hatte. Mit ihrer Unterbringung in zwei Stockwerken, ihrem besonderen Futter, der Hufversorgung – und auch ihrem Urlaub auf dem Lande.

Dann stand die Gruppe vor der Markthalle X., die noch im 19.Jahrhundert die wenig hygienisch im kleinen Tiergarten betriebenen Märkte ablöste. Leider ist die damalige Vielfalt von über 400 Ständen für sämtliche benötigten Lebensmittel verloren gegangen. Das Bild wird überwiegend von Gastronomie bestimmt. Die ursprüngliche kluge Konzeption dieses Gebäudes mit ihren interessanten Schmuckelementen lässt sich aber immer noch bewundern.

Das gegenüberliegende Rathaus Tiergarten unterscheidet sich deutlich in seinem Äußeren. Sein Stil ist eindeutig von der NS-Zeit geprägt. Mit Ehrenhof und Führerbalkon vermittelt es den damaligen Zeitgeist. Leider hatten wir keine Möglichkeit, das Bürgermeisterzimmer mit seiner originalen Ausstattung zu besichtigen. Ein Zettel an der verschlossenen Tür kündigte die baldige Rückkehr der Aufsicht dieser Dependance des Museum Mitte an. Aber nach eine Viertelstunde konnte die Gruppe nicht länger warten.

Stille Post“ vor dem ehemaligen Bürgermeisterzimmer. TAL.

Sie hat erfuhr stattdessen von dem kreativen Bezirksbürgermeister Jörn Jensen. Er hatte durch eine kluge Verabredung mit der Sparkasse den Rathausvorplatz von einem Parkplatz in einen einladenden Raum mit japanischen Zierkirschen und Sitzgelegenheiten verwandelt. Der Platz ist heute Mathilde Jacob, der in Theresienstadt zu Tode gekommenen Sekretärin Rosa Luxemburgs, gewidmet.

Der Rathausvorplatz. Die offizielle Adresse des Bezirksamtes Mitte. TAL.

Nach einem abschließenden Blick auf den hohen Turm der Heilandskirche machte sich die Klasse auf den Rückweg. Wir sind gespannt, was von diesem Ritt durch die Bezirksgeschichte hängen geblieben ist. Glücklicherweise können sich die SchülerInnen danach noch einmal in Ruhe die historischen Fotos auf unserer Website ansehen und die Texte dazu nachlesen.
red-