
Die polnische Juristin Małgorzata Gersdorf wird am 28. Januar 2026 mit dem Fritz-Stern-Preis geehrt.
Das Bard College Berlin und die Berlin-Brandenburgische Alkademie der Wissenschaften verleihen ihr diesen neu geschaffenen Preis für ihren unerschrockenen Einsatz für eine unabhängige Justiz.
In den 80er Jahren in der Solidarność-Bewegung engagiert, 2008 Dekanin der Juristischen Fakultät der Warschauer Universität, wurde sie April 2014 zur Präsidentin des Obersten Gerichts berufen. Damit geriet sie in denjahrelang anhaltenden Streit zwischen Regierung, Richterschaft und Öffentlichkeit, in dem sie sich als Kämpferin für eine unabhängige Justiz zeigte.
Nachdem dieser Streit den Europäischen Gerichtshof (EuGH) erreicht hatte, ermöglichte seine einstweilige Verfügung vom Oktober 2018 Gersdorf, ihre Arbeit am Obersten Gericht bis 2020 fortzusetzen. Da weiterhin umfassende Kritik an der veränderten polnischen Justizverfassung bestand, verurteilte der EuGH 2021 Polen zu einem täglichen Zwangsgeld von einer Million Euro. Als sich auch danach die polnische Regierung der PIS
zu keiner grundsätzlichen Korrektur bereitfand, wurden EU-Hilfen an Polen in Milliardenhöhe zurückgehalten. Erst 2024 stellte die EU-Kommission das Rechtsstaatsverfahren gegen Polen ein. Sie sah unter der damaligen Regierung der bürgerlichen Plattform die Rechtsstaatlichkeit gewährleistet.
Wieweit diese Einschätzung nach einem möglichen Wahlsieg von PIS in diesem Jahr Bestand haben wird, muss die weitere Entwickliung in der polnischen Justiz zeigen.
Die sich autoritär gebärdende Regierungen in der heutigen Zeit regelmäßig die unabhängige Justiz als Grundvoraussetzung einer liberalen Demokratie in Frage stellen, hat diese Preisverleihung eine Signalwirkung.
red-