Rabbiner Goldschmidt zum Verhältnis zu Muslimen und zu rechtspopulistischen Parteien

 Rabbiner Pinchas Goldschmidt ist Präsident der Europäischen Rabbinerkonferenz und Oberrabbiner von Moskau, als solcher hat seine Aussage Gewicht. Im Gespräch mit Malte Lehming vom Tagesspiegel stellte er am 30.11.2018 fest, daß für ihn die rote Linie dort verläuft, wo im Namen der Religion Gewalt gegen Minderheiten und Andersgläubige ausgeübt wird. Für einen guten Dialog mit den Muslimen hat er vor drei Jahren den Muslim-Jewish-Leadership-Council ins Leben gerufen. Nach seiner Beobachtung werden die meisten antisemitischen Übergriffe von Ultrarechten und nicht von Muslimen verübt. Auf die terroristischen Anschläge im Namen des Islam hat die Europäischen Rabbinerkonferenz eine Manifest gegen religiösen Fanatismus verabschiedet. Darin wird gefordert, daß religiöse Organisationen ihre Geldquellen offenlegen müssen, daß die Geistlichen in Europa ausgebildet und staatlich zertifiziert werden und die Glaubensgemeinschaften verhindern, daß religiöse Texte manipuliert und mißbraucht werden. Das Echo aus den europäischen Ländern auf diese Forderungen ist verhalten, Deutschland hat noch nicht geantwortet. Der Versuch rechtspopulistischer Parteien, mit pro-israelischen Parolen Zugang zur jüdischen Gemeinschaft zu finden, wird von dieser aufmerksam beobachtet. Gegenüber israelischen Politikern warnen die Rabbiner vor falschen Freunden und davor, einen nicht gerechtfertigten „Koscherstempel“ für rechte Ideologien auszustellen.
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