Sie befinden sich hier auf einer Website, die sich vor allem mit dem Güterbahnhof Moabit beschäftigt. Er wurde in den Jahren 1942 bis 1944 von der SS und Gestapo zur Deportation der Berliner Juden benutzt. Rund 32.000 Menschen sind von hier aus nach Osten in den Tod deportiert worden. Als letzter „Stummer Zeuge“ aus dieser Zeit ist noch die Rampe am Gleis 69 übrig. Auch seit 10 Jahren unter Denkmalschutz gestellt verfällt diese Rampe, weil weder von Seiten der Öffentlichen Hand noch von Seiten der Eigentümer effektiv etwas für dieses historische Bauwerk unternommen wird. Das wollen wir nicht akzeptieren.
Zur besseren Orientierung in Berlin-Moabit.


Im Hintergrund die Deportationsrampe mit dem daraufgebauten Parkplatz der Lidl-Filiale. TAL


Der Parkplatz der Lidl-Filiale wurde direkt auf der historischen Deportationsrampe gebaut. TAL
Vorgeschichte:
2016 ist dieses Bauwerk unter Denkmalschutz gestellt worden. Seitdem verfällt es aber weiter und die Schäden werden größer.
Im Mai 2021 konnten wir durch einen ersten Offenen Brief einen weiteren Parkplatz für die Lidl-Filiale auf der Rampe verhindern.
Ein folgender Runder Tisch führte zu einer Machbarkeitsstudie, die im August 2025 veröffentlicht wurde. Sie wirft letztendlich mehr Fragen auf, als dass sie Antworten gibt. Eindeutig steht fest, dass es keine Lösung ohne ein intensives Gespräch zwischen Öffentlicher Hand und Grundstückeigentümern geben wird. Das fehlt bis jetzt.
Oktober/November 2025 hat es einen Briefwechsel zwischen Berliner Senatsverwaltungen und der Dieter Schwarz Stiftung gegeben. Er endete damit, dass die Dieter Schwarz Stiftung im Auftrag von Herrn Schwarz mitteilte, dass sie sich nicht an der Rettung der Deportationsrampe beteiligen kann.
Dieter Schwarz ist Eigentümer der Schwarz Gruppe. Zur Schwarz Gruppe gehören Lidl und Kaufland.
Damit stehen wir wieder ganz am Anfang unserer Bemühungen und haben uns jetzt deshalb zu einem zweiten Offenen Brief entschlossen. Wir hoffen so, das lang vernachlässigte Gespräch zwischen den Beteiligten wieder in Gang zu bringen. Dabei darf es kein Denkverbot auch für ungewöhnliche Lösungen geben.
Dazu benötigten wir Unterstützung aus der Öffentlichkeit und der Zivilgesellschaft.
Gleis 69 e.V.
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Offener Brief:

Gleis69 e.V. , Alt Moabit 25, 10559 Berlin . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Berlin, 11.10.2026
an Herrn Dieter Schwarz c/o Dieter Schwarz Stiftung, Bildungscampus 9, 74072 Heilbronn,
Herrn Gerd Chrzanowski, Vorstand Schwarz Gruppe und
Herrn Kenneth McGrath, CEO Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG, Stiftsbergstraße 1, 74167 Neckarsulm.
Sehr geehrter Herr Schwarz,
wir brauchen Ihre Unterstützung zum Erhalt der Deportationsrampe am Berliner Gedenkort Güterbahnhof Moabit. Dieser Ort erinnert an die Deportation von rund 32.000 Berliner Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus. Die denkmalgeschützte Deportationsrampe ist ohne die dringend notwendige Restaurierung dem endgültigen Verfall preisgegeben. Fachleute der Deutschen Bahn haben 2022 festgestellt, dass die Deportationsrampe in zehn Jahren unwiederbringlich zerstört sein wird.

Diese Rampe befindet sich zum grossen Teil auf dem Grundstück der zu Ihrem Unternehmen gehörenden Lidl-Filiale Quitzowstraße 23, 10559 Berlin. Gegenwärtig wird die Rampe als Parkplatz und Zufahrt der Lidl-Filiale genutzt. Gäste von Gedenkzeremonien werden unmittelbar mit dem Parkplatzverkehr konfrontiert. Besucher des Gedenkortes registrieren die örtlichen Bedingungen dieses Denkmals mit Betroffenheit. Sie vermissen die Sichtbarkeit der Rampe und den würdigen Umgang mit diesem historisch belasteten Ort.
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Wir haben als ehrenamtlicher Verein Gleis 69 bereits wichtige Vorleistungen erbracht, indem wir den Denkmalschutz initiiert haben, ebenso ein bahntechnisches Gutachten zur Restaurierung und zuletzt eine Machbarkeitsstudie. Dafür wird der Verein im Oktober mit dem Deutschen Denkmalschutzpreis 2026 geehrt, und die Situation am Gedenkort wird einer größeren Öffentlichkeit bekannt werden.
Wir bitten deshalb Sie und Ihr Unternehmen, den auch für die Schwarz Gruppe unwürdigen Zustand am Gedenkort Güterbahnhof Moabit zu beenden. Dazu sind zügige Verhandlungen mit den Berliner Senatsverwaltungen und dem Bezirksamt Mitte notwendig.
Das Berliner Denkmalschutzgesetz verpflichtet die Schwarz Gruppe als Inhaber der wichtigsten Grundstücke in diesem Bereich zur Erhaltung und Pflege des Denkmals.
Gleichzeitig besteht eine gesellschaftliche Verantwortung, mit diesem Bauwerk die Erinnerung an die jüngere deutsche Geschichte wachzuhalten. Welche Folgen Geschichtsvergessenheit hat, erleben wir zurzeit sehr schmerzhaft. Deshalb ist jetzt engagiert geschichtsbewusstes und demokratie-förderndes Handeln angesagt.
Aus diesem Grund wenden wir uns mit diesem Offenen Brief direkt an Sie und an die Öffentlichkeit.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. Veronika Braun
Gisela Poser
Dr. Thomas Abel
Erstunterzeichner:
Prof. Dr. Frank Bajohr, Ludwig-Maximilians-Universität München
Prof. Dr.-Ing Johannes Cramer, Technische Universität Berlin.
Prof. Dr. Stefanie Endlich, Universität der Künste Berlin
Prof. Dr. Dipl.Ing Jörg Haspel, Technische Universität Berlin.
Dr. Elke-Vera Kotowski, Moses Mendelssohn Stiftung
Prof. Dr. Andreas Nachama, Rabbiner an der Sukkot Schalom Synagoge
Prof. Dr. Christian Pross, Charité Universitätsmedizin Berlin.
Dr. Andrea Riedle, Stiftung Topographie des Terrors
Prof. Dr. Joachim Schlör, The Parkes Institute, University of Southampton, UK
Prof. Dr. Julius Schoeps, Moses Mendelssohn Stiftung
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Liebe UnterstützerInnen und Unterstützer,
um diesem Offenen Brief das notwendige Gewicht zu geben, bitten wir Sie als Zeichen Ihrer Zustimmung um Ihre Unterschrift.
Eine kurze Mitteilung an Gleis69@life.in-berlin.de reicht dafür.
Wir bedanken uns.
Gleis 69 e.V.