Das erste Schwarzbuch der Denkmalpflege ist erschienen, es umfasst Berichte aus den Jahren 2023 und 2024. Schnell vertieft man sich in die verschiedenen Geschichten, die von ausschließlich renditebestimmten Umgang mit Immobilien, Desinteresse an wertvollem Kulturgut, ideologisch eingeengter Denkweise, Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit, fehlender Kreativität und fehlendem Mut zu ungewöhnlichen Lösungen erzählen.

Unter GFDL 1.2
So war in Berlin in letzter Zeit der vollkommen unsinnige Abriß des sogenannten Generalshotel zu verzeichnen. Eines für die Nachkriegs- und DDR-Geschichte bedeutsamen Gebäudes, dass auch architektonisch und kunsthistorisch ungewöhnlich war. Es gehörte zum ehemaligen Flughafen Schönefeld und diente dort als Empfangsgebäude und Gästehaus bei Staatsbesuchen. Zahlreiche Fachleute, Politiker und verschiedenste Gremien setzten sich für seinen Erhalt aus. Umsonst. 2024 wurde es abgerissen. –
Das Gelände dient jetzt als Abstellplatz für Militärflugzeuge.

Unter CC BY-SA 4.0
Die Köhlbrandbrücke ist gefährdet. Die Autobahnbrücke im Verlauf der A 7 schwingt sich elegant über das Hamburger Hafengelände und bestimmt hier das Stadtbild. Als ich sie 1974 bei der Einweihung zu Fuß überqueren konnte, war es undenkbar, dass diese schönste Brücke Europas gerade fünfzig Jahre später wieder abgerissen werden soll. Die Verkehrsplaner waren bis jetzt nicht in der Lage, auf andere Weise dem ausufernden Verkehr Herr zu werden.

Bilder aus Göttingen Das Haus „Zum schwarzen Bären“. Unter CC BY-SA 3.0
Der Schwarze Bär in Göttingen sieht bis jetzt ebenfalls einer ungewissen Zukunft entgegen, wenn sich nicht in letzter Minute noch eine angemessene Lösung für seinen Erhalt findet. Ein historisches und Stadtbild prägendes Fachwerkhaus, das Göttinger Stadtgeschichte verkörpert und als Gasthof viele bedeutsame Persönlichkeiten beherbergt hat. Etliche Studentenverbindungen wurden hier gegründet. Auch finden sich in seiner Bausubstanz Zeugnisse verschiedenster Jahrhunderte. Unweit vom Markt in der Kurzen Straße gelegen, war das Haus jedem vertraut, der längere Zeit in Göttingen gelebt hat.
Diese Beispiele haben uns zum Handeln aufgerufen. So haben wir die Aufnahme der trotz Denkmalschutz vom Verfall bedrohten Deportationsrampe am Gleis 69 (ehemaliger Güterbahnhof Berlin-Moabit) in die nächste Ausgabe des Schwarzbuch der Denkmalpflege beantragt. Wir sind gespannt.
TOL
