Gemengelage um neues Museum zur Geschichte des Warschauer Ghetto

Die Vorbereitungen der polnischen Regierung für die Gründung eines Museums zur Geschichte des Warschauer Ghetto haben zu einer besonderen Gemengelage geführt. Dieses Museum soll dann unweit des Museum Polin – Geschichte der Juden in Polen liegen. Man mutmaßt, dass das neue Museum eine regierungsgenehmere Sicht auf die zwischen Polen und Israel weiterhin umstrittene Geschichte der Juden im Polen des zweiten Weltkriegs vermitteln soll. Gleichzeitig hat jetzt der designierten Museumsdirektor Albert Stankowski den israelischen Historiker Daniel Blatmann als Chefhistoriker für dieses Museum gewonnen. Jetzt sieht sich Blatmann Angriffen aus Israel und besonders von Vertretern von Yad Vashem ausgesetzt, mit dem Vorwurf er lasse sich von der PiS-Regierung instrumentalisieren. Blatmann, ein bekannter scharfer Kritiker der aktuellen israelischen Regierung und von Yad Vashem, hält dagegen, daß Yad Vashem Besucher jeder politischen Coleur – auch mit antjüdischer Einstellung – akzeptiere und sich von der Regierung bei der Diffamierung von Israelkritikern als Antisemiten mobilisieren lasse.
Auch in Warschau wiederum gibt es polnische Historiker, die eine zu große Nähe Blatmanns zur Kulturpolitik der PiS-Regierung befürchten und deshalb seiner Ernennung kritisch gegenüberstehen.
Es wird sich lohnen, die weitere Entwicklung aufmerksam zu beobachten.
TOL-