Geben Sie Gedankenfreiheit, Sire – und Redefreiheit!

Wenn heute in Berlin eine jüdische Institution als weltoffene Plattform für gesellschaftlich aktuelle und relevante Diskurse wahrgenommen wird, so ist es das Jüdische Museum Berlin. Seine vielfältigen Angebote und Veranstaltungen haben entschieden dazu beigetragen, stetig und beharrlich gegen die dem Judentum zugeschriebenen Stereotypien anzugehen. Wie … allgemein vorhandener Reichtum verbunden mit bedenklichem Geschäftsgebaren, verborgene Beziehungen zu Macht- und Finanzeliten, weltweite Verschwörungen – siehe Weise von Zion.
Dieses offene Konzept wird jetzt massiv angegriffen. Nach fast einjähriger Laufzeit wird die Ausstellung zu Jerusalem als Ort von drei Weltreligionen von verschiedenen Seiten heftig kritisiert. Sie berücksichtige die jüdische Sicht zu wenig. Dabei wird gerade diese Ausgewogenheit von Besuchern als positiv bewertet. Die israelische Regierung empfahl der Bundesregierung, öffentliche Gelder für das Jüdische Museum zurückzuziehen. Der Zentralrat der Juden ging auf Distanz.
Aus Anlaß eines retweet in der letzen Woche verschärfte er seinen Ton sogar noch und stellte die Bezeichnung “Jüdisch” für das Jüdische Museum Berlin in Frage. Dieser retweet der Kommunikationsabteilung des Jüdischen Museum enthielt den Hinweis auf einen taz-Artikel, der sich mit der Stellungnahme von 240 israelischen und jüdischen Wissenschaftlern zu einem Bundestagsbeschluß beschäftigt. Der Druck war offensichtlich so groß, daß der Direktor des Museum Peter Schäfer jetzt zurückgetreten ist.
Dieser Konflikt reiht sich in eine ganze Folge ähnlicher Ereignisse ein, sei es eine Diskussionsveranstaltung auf der letzten Ruhrbiennale , sei es dieTagung der Evangelischen Akademie Bad Boll “Shrinking Space” im September 2018 oder die Veranstaltung der Ludwig-Maximilian-Universität München mit Andreas Zumach im November 2018. Allen diesen Ereignissen ist gemeinsam, daß sie auf irgendeine Weise in Verbindung zu der Bewegung BDS ( Boykott-Disinvestment-Sanction )gebracht werden und daß mit allen Mitteln über staatliche oder kirchliche Institutionen und Medien stärkster Druck ausgeübt wird, um die betreffende Veranstaltung scheitern zu lassen. Glücklicherweise gibt es dann auch mutige Unterstützer, die akademische Freiheit und freie Rede wertschätzen und wirkungsvoll verteidigen. Leider hat es daran im aktuellen Fall gefehlt.
Das Jüdische Museum, u.a. wichtiger Mitveranstalter beim 1. Jüdischen Zukunftskongreß in Berlin 2018, ist erheblich beschädigt. Die Suche nach einem Nachfolger im Direktorat wird sich schwierig gestalten. Wer möchte sich schon von vornherein einen Maulkorb umbinden lassen? Verlierer sind die jüdische Community und mit ihr die Menschen, die die offene und auch kritische Auseinandersetzung , wie sie das Jüdische Museum ermöglicht hatte, geschätzt haben.
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