Das Jüdische Museum Berlin – die Aufregung hat sich gelegt

Im Augenblick hat sich die Aufgeregtheit in der Diskussion um das Jüdische Museum Berlin etwas gelegt. Das ist gut für die Aufgabe von Christoph Stölzl. Auf Bitten der Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters, soll Stölzl das gesamte Terrain um den Komplex Jüdisches Museum sondieren. Das Erkunden der größtmöglich gemeinsamen Schnittmenge aller Wünsche an den künftigen Direktor oder Direktorin der Einrichtung und an ihre künftige Ausrichtung wird einen wichtigen Beitrag für die Kandidatensuche leisten. Der Tagesspiegel vom 27.07.2019 berichtete über ein Gespräch dazu.

In der New York Times vom 9.07.2019 findet sich eine Zusammenfassung des Konflikts, aus der Distanz betrachtet. Es wird deutlich, daß die Gründe für den erzwungenen Rücktritt des ehemaligen Direktor Peter Schäfer, ein nicht ganz korrekter ReTweet und Schäfers angeblich geringe Erfahrung mit der Organisation einer Institution, nur vorgeschoben waren. Stimmführern im Zentralrat und der aktuellen israelischen Regierung im Hintergrund passte „die ganze Richtung“ nicht. Dem Vorwurf des zu geringen jüdischen Charakters der Ausstellungen und Veranstaltungen stand die weite Zustimmung für die offene Plattform des Museums zur Diskussion jüdischer Identität entgegen. Das Lob kam sowohl von internationalen Wissenschaftlern als auch von anerkannten Museumsleuten. Die Zustimmung des Publikum zu dieser Art der musealen Präsentation bewies der jährliche Besuch von über 600 000 Gästen. Seit seiner Gründung in 2001 öffnet sich das Museum weit für alle Fragen, die sich aus der jüngsten Vergangenheit aber auch aus der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation für das deutsche Judentum ergeben.
Für seine Arbeit erhält das Museum Bundesmittel und ist nur seinen breit zusammengesetzten Aufsichtsgremien verantwortlich.
Die spätere Eröffnung der Michael Blumenthal-Akademie war ein zusätzlicher Auftrag, kontroverse Diskussionen zu aktuellen Themen zu ermöglichen. Dieser Auftrag ist bis heute mit Engagement erfüllt worden.


Man kann der Findungskommission nur viel Erfolg bei ihrer Suche wünschen – und dem Jüdischen Museum eine neue Leitung mit breiten Schultern, die auch ein gelegentliches Murren von Seiten des Zentralrates aushalten.
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