Vor 50 Jahren – der letzte Exodus aus Polen

Denkmal an der Warschauer Universität zur Erinnerung an dei Proteste der Studenten 1968.- Von Witold Pietrusiewicz – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

1968 müssen rund 15 000 Juden Polen verlassen. Die meisten von ihnen erhalten Papiere, die nur zur Ausreise berechtigen und keine Rückkehr in die Heimat erlauben. Auf die Proteste der Studenten im März 1968 und ihre Rufe nach Abschaffung von Zensur, nach Einhaltung der Bürgerrechte und Beendigung rassistischer und ethnischer Diskriminierung wußte die Kommunistische Partei Polens mit ihrem Generalsekretär Wladislaw Gomulka an der Spitze nicht anders zu reagieren, als die Studenten als Vertreter des internationalen Zionismus  und als Anstifter von Unruhe zu beschuldigen. Dabei hatten sich die meisten polnischen Juden nach der Erfahrung des Holokaust und des Krieges von ihrer religiösen Identität getrennt und dem Aufbau des Sozialismus verschrieben. Von der polnischen Variante des Sozialismus waren sie aber eher enttäuscht. Ihre Kinder hatten überhaupt keine religiöse Bindung mehr und hofften auf die Verwirklichung des Sozialismus, so wie er ihnen als erstrebenswertes Ziel immer hingestellt worden war. Jetzt aber sahen sie sich als Staatsfeinde diskriminiert und verfolgt. Gleichgültig ob sie nach Westeuropa flüchteten oder nach Israel gingen, diese Erfahrung, die Heimat verloren zu haben, ließ viele sich wieder mit ihrem Judentum beschäftigen und in ihm eine neue Heimat finden.

Denkmal in der Planty 7 , Kielce zum Gedächtnis an das Pogrom 1946. -Von Halibutt, Ely1 (The new version) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Nach dem Pogrom von Kielce 1946 waren schon viele Juden aus Polen geflohen. Mit diesem Exodus aber schwand endgültig die Hoffnung, ein nennenswertes jüdisches Leben in Polen wieder entstehen zu lassen. Auch wenn es in den letzten Jahren dafür wieder erste Versuche gibt, so vermitteln jüdische Gastronomie und Kulturveranstaltungen eher den Eindruck von Folklore.
Der Deutschlandfunk hat dazu eine Sendung am 19.September 2018 gebracht. Henri und Danka Kowalski erinnern sich an die damaligen Ereignisse.
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